WERBETECHNIK 3.2011

In der Tiefe des Leuchtkastens

Die Leuchtkästen von Realeyes geben dreidimensionale Bilder wieder – dank Fototechnik und Mikrolinsen.

250.000 klitzekleine Bilder eines Astronauten im All quetschen sich auf einen Leuchtkasten. Scheinbar wie durch Zauberhand ergeben sie ein dreidimensionales Bild, das wirkt, als würde der ausgestreckte Arm des Raumfahrers aus dem Kasten heraus auf den Betrachter zukommen. Doch dahinter steckt keine Magie, sondern Physik – und das Start-up-Unternehmen Realeyes.

Der Physiker Felix von Laffert und der Jurist Philipp von Trotha stecken hinter Realeyes und stellten die 3D-Displays, für die man keine Brille benötigt, auf der diesjährigen Euroshop zum ersten Mal öffentlich vor. Das Standardprodukt misst 1.216 mal 832 Millimeter, entspricht also in etwa dem Format A0 oder einer Fläche von einem Quadratmeter. Es besteht aus drei Hauptkomponenten: einer Optik, einem Film mit den Bildinformationen und einer dahinter liegenden, direkten LED-Beleuchtung. Die Optik wiederum ist ebenfalls in mehreren Schichten aufgebaut. Es handelt sich zum einen um zwei Linsenplatten aus Polycarbonat, die das Licht brechen. Jede von ihnen ist mit 250.000 streichholzkopfgroßen Mikrolinsen bestückt. Zwischen ihnen liegt eine Blendenplatte, die die Strahlen bündelt.

Bei der Produktion wird die Linsenplatte auf den 18.000 dpi auflösenden Film geklebt, der im Prinzip einem analogen Fotofilm entspricht. „Wir gehen technisch eigentlich einen Schritt zurück“, kommentiert der Geschäftsführer Philipp von Trotha, der die kaufmännische Leitung der Firma innehat. „Aber natürlich im positiven Sinn.“ Vorteil von Film sei, dass er die höchste Auflösung aller farbigen Materialen erreiche. Die Bildinformationen erhält er, indem die Mitarbeiter von Realeyes ihn wie im Fotolabor belichten und entwickeln.

Als Motive für die Realeyes-Displays eignen sich am Computergenerierte 3D-Modelle. Von ihnen werden Bilder aus genau 250.000 Blickwinkeln erstellt. Philipp von Trotha erklärt: „Das ist wie bei einem Blick durchs Schlüsselloch. Durch eine kleine Öffnung kann man den dahinter liegenden Raum sehen. Daneben ist eine zweite Tür, ein zweites Schlüsselloch, durch das man dasselbe sieht. Nur der Blickwinkel ist ein wenig verschoben.“ Von diesen Schlüssellöchern müsse man sich 250.000 Stück vorstellen, die sich um den Raum herum befinden.

Unterhalb jeder der 250.000 Linsen befindet sich eines der Schlüsselloch-Bilder mit einer Auflösung von 512 mal 512 Pixel. Sie entsprechen einer Datenmenge von 232 Gigabyte. Sämtliche kleinen Bilder tragen in Zusammenarbeit mit den Linsen dazu bei, dass der Betrachter des Displays den Eindruck erhält, der Raumfahrer rage aus dem Leuchtkasten. Durch die beiden begrenzenden Faktoren – Auflösung und Darstellungsmöglichkeit der Linse – erreichen nicht alle 250.000 Bilder das Auge: Der Betrachter sieht nur 30.000 Ansichten; eine aus jeder Position innerhalb des Betrachtungswinkels.

Einen Meter kommt das Motiv aus dem Display heraus und ragt mindestens zwei Meter in die Tiefe. Bewegt der Passant sich innerhalb des Betrachtungswinkels von vierzig Grad horizontal und vertikal, ändert sich die Ansicht des 3D-Objekts: Geht man zum Beispiel in die Knie, sieht man den Arm des Astronauten von unten. Die Displays von Realeyes erreichen das volle Farbspektrum. Sogar Metallicfarben, Glanz- und Glitzereffekte seien möglich, ergänzt Philipp von Trotha. Zwischen 10.000 und 15.000 Euro netto soll ein A0-Display kosten. Größere Varianten sind möglich, indem man mehrere Anzeigen im Standardformat kombiniert. Wer bereits ein Display hat und nur das Motiv austauschen lässt, zahlt rund 4.000 Euro. Realeyes und zwei Vertriebspartner, der frei beim Unternehmen beschäftigte Frank Reger und die Firma Kleinhempel, verkaufen die Produkte. Sie wollen unter anderem Messeaussteller, Museen, Shopgestalter, Vermarkter von Werbeflächen an Flughäfen und Bahnhöfen sowie Ausrichter von Events erreichen.

Das Ziel: 3D ohne Brille

Der Weg bis zum marktreifen Produkt begann bereits während des Physikstudiums von Felix von Laffert. Eine Holografieausstellung inspirierte den damaligen Studenten und er beschäftigte sich fortan mit der Frage, wie man 3D-Bilder realisieren kann, für die man keine Brille benötigt. Nach dem Studium gewann er mit seiner Idee, 3D-Displays mit Fototechnik herzustellen, den dritten Platz des Businessplanwettbewerbs Start2Grow der Stadt Dortmund. Dank des Preisgeldes von 30.000 Euro konnte er an seiner Idee weiterarbeiten. „Außerdem kam sein Vater zu dem Schluss“, erzählt Philipp von Trotha, „dass hinter der verrückten Idee seines Sohnes mehr stecken müsse, und sie beschlossen, das Ganze auf ein professionelles Fundament zu stellen.“ Sie analysierten Förderprogramme, stellten Finanzierungsmodelle auf und entschieden sich am Ende dazu, 2006 in Kiel die Firma Realeyes zu gründen.

Die beiden heutigen Geschäftsführer, die sich während des Studiums an der Universität Greifswald kennenlernten, wählten die Stadt an der Ostsee, weil die Förderbedingungen in Schleswig-Holstein besonders attraktiv seien. Für die Gründung erhielten sie insgesamt zwei Millionen Euro aus drei Programmen: zum einen aus dem Regionalprogramm 2000 mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Schleswig-Holstein; außerdem aus den Seed- und Start-up-Fonds des norddeutschen Bundeslandes; zum dritten aus dem Topf von Innonet, einem Programm des Bundeswirtschaftsministeriums. Mit diesem Geld und der Unterstützung ihrer Familien finanzierten die beiden Unternehmer unter anderem die Kooperationen mit dem Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM in Freiburg und der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel. „Das IPM hat nicht nur unseren Belichter entwickelt, sondern uns auch intensiv dabei geholfen, das Projekt voranzutreiben, um am Ende ein marktreifes Produkt zu haben“, erzählt Philipp von Trotha. „Im Rahmen des Innonet-Projekts hat der Lehrstuhl für Informatik der Universität Kiel für uns eine Software entwickelt, die besonders effizient unsere Bilddaten berechnet.“ Wenn das Produkt in der Werbebranche auf genauso viel Zustimmung trifft, wie bei den zahlreichen Förderern, scheint der Erfolg zum Greifen nah – wie der dreidimensionale Astronaut im Weltall des Leuchtkastens.

Verena Gründel
gruendel@wnp.de

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Werben & Verkaufen ► 19/2011

Aufbruch in neue Erlebniswelten

Dreidimensionale Plakate, gefallene Engel, lebendige Wände: Out of Home geht aufregenden Zeiten entgegen, und neue Technologien stellen sich in den Dienst der Außenwerbung. Ein Blick in die nahe Zukunft.

Spontan möchte man ihm die Dose aus der Hand nehmen, so täuschend echt wirkt der Astronaut, der jeden Moment aus den Tiefen des Weltalls direkt ins Zimmer schweben wird. Doch da ist nichts: weder die Hand, noch die Dose, noch das herausblubbernde Getränk. Echt ist da nur ein Display, das dem Betrachter mithilfe ausgeklügelter Technik ein verblüffendes 3-D-Erlebnis beschert – ohne dass dieser eine spezielle Brille tragen muss. „Die dargestellten Objekte ragen scheinbar bis zu einem Meter aus dem Bild heraus und gehen unendlich in die Tiefe“, erklärt Philipp von Trotha, kaufmännischer Geschäftsführer der Firma Realeyes, die die 3-D Displays entwickelt hat. „Da entsteht ein räumliches Bild, das überrascht, neugierig macht und dazu anregt, sich damit auseinanderzusetzen.“ Perfekte Voraussetzungen also für ein Werbemedium. Zwar hat Realeyes gerade erst mit der Markteinführung dieses Produkts begonnen. Doch von Trotha ist jetzt schon überzeugt: „In Zukunft werden wir nur noch dreidimensionale Bilder haben, wenn diese so wirklichkeitsnah wie möglich sein sollen.“

Einige technische Entwicklungen, die in engerem und weiterem Sinne zur Außenwerbung zu zählen sind, nehmen schon heute vorweg, wie die Zukunft aussehen konnte. Manche Techniken sind zwar nicht ganz neu, geraten aber jetzt in das Stadium der Praxistauglichkeit. Um bei der dritten Dimension zu bleiben: Wer hatte vor ein paar Jahren geglaubt, dass die aus Science-Fiction-Filmen bekannten Hologramme tatsachlich realisierbar sein würden? Mittlerweile können sie sogar in einer Rundum-Ansicht erstellt werden. So schickte die britische Modefirma Burberry im April in Peking neben echten Models auch virtuelle 3-D-Schonheiten auf den Laufsteg.

Das Display-System Hyposurface dagegen macht das Thema dritte Dimension auf eine ganz andere Weise erlebbar: Es besteht aus vielen kleinen, dreieckigen Platten, die beweglich sind und Wellen, Bilder, Logos oder Texte formen können. Einer der ersten Kunden, der dieses System nutzte, war der Getränkehersteller Coca-Cola. Daneben gehören 3-D-Projektionen schon fast zu den gängigen Techniken. So sorgten unter anderem Samsung und BMW mit Projektionen auf Gebäuden schon für Aufsehen erregende Aktionen.

Computergestutzte Projektionen sind auch Teil eines Projekts, das Design-Studenten der Hochschule Niederrhein realisierten. Sie kreierten für die Taschenmarke Crumpler eine interaktive Markenerlebniswelt, die auf Bewegungen der Kunden im Verkaufsraum reagiert. Nimmt man beispielsweise die ausgestellte Tasche vom Regal, beginnt die virtuelle Wand dahinter zu bröckeln und weitere Taschenmodelle tauchen auf. Die interaktive Markenerlebniswelt funktioniert so gut, dass sie nun auch in die Geschäfte kommen soll, erzählt Thorsten Kraus, Professor an der Hochschule. „Sie wird zunächst exemplarisch in wenigen Testladen installiert und dann, wenn sie bei den Verbrauchern gut ankommt, weiter ausgerollt werden.“

Ein unendlich großes Spielfeld für 3-D-Aktionen eröffnet sich auch mit Augmented Reality (AR). Eine AR-Anwendung hat Unilever für seine Marke Axe in der Londoner Victoria-Station realisiert: Dabei wurden die Passanten, die ein bestimmtes Feld betraten, auf einen riesigen LED-Screen projiziert, wo sie sich plötzlich zusammen mit einem Engel konfrontiert sahen, der vom Himmel gefallen war. „Augmented Reality ist ein Riesenthema“, meint Guido Bliss. „Aus meiner Sicht ist das kein Trend, sondern eine Entwicklung, der wir uns nicht mehr entziehen können. Die Technik bietet zahlreiche Möglichkeiten, nachhaltige Mehrwerte für den Kunden zu generieren“, so der Geschäftsführer der Kölner Agentur für regionale Medien Planus Media, die kürzlich einen „Innovationsreport“ mit zahlreichen Beispielen innovativer Technologien in der Out-of-Home-Welt veröffentlicht hat. So unterschiedlich diese Techniken sind, sie haben alle eines gemeinsam: Sie beziehen den Verbraucher mit ein, lassen ihn Teil einer (Marken-)Erlebniswelt werden und fordern ihn teilweise auch zum Handeln auf. „Gerade, was das Thema Interaktion in der Out-of-Home-Kommunikation anbelangt, stehen wir erst am Anfang“, ist Philipp Storm, Unit Director Ambient und Digital bei Jost von Brandis, überzeugt. Denn: „Auf diesem Gebiet werden sich noch enorm viele Möglichkeiten auftun, um auffälliger zu sein. Die Kunst wird dann darin bestehen, hier den Menschen etwas entsprechend Reizvolles in den Weg zu stellen, so dass sie bereit sind, mit einer Marke oder einer Institution zu interagieren.“

Eine wesentliche Rolle wird dabei die Verknüpfung von OoH mit Mobile Marketing spielen, da sich beide Kanäle perfekt ergänzen und eine Verbindung zwischen der realen Welt der Verbraucher und der virtuellen Welt des Internets herstellen. Am gängigsten ist die Kommunikation Poster-to-Mobile bislang per Bluetooth, nach einigen Anlaufschwierigkeiten setzt sich gerade wohl auch die Integration sogenannter QR-Codes durch, die den Passanten direkt über den Handy- Browser auf eine Webpage leiten.

Eine weitere Basis für Interaktion bildet die Digitalisierung in der Außenwerbung. Mittlerweile haben alle großen Anbieter erkannt, dass sie sich dieser Entwicklung nicht entziehen können. So treibt Ströer, Köln, den Aufbau des Out-of-Home-Channels voran. Die Berliner Wall AG will das Konzept des komplett digitalisierten U-Bahnhofs Friedrichstraße noch auf weitere U-Bahnhöfe ausweiten. „Des Weiteren haben wir ein digitales Citylight-Board zur Produktreife entwickelt, das im öffentlichen Raum zum Einsatz kommen wird“, kündigt Andreas Prasse, Vorstand Vertrieb & Marketing, an. „Mit dem Aufbau werden wir in diesem Jahr beginnen.“ Und selbst die awk, drittgrößter Anbieter und bislang eher zurückhaltend auf diesem Gebiet, will sich nun des Themas annehmen. „Auch wir arbeiten an der Entwicklung neuer Werbeträger und legen unseren Fokus dabei auf eine tagesaktuelle und situationsbedingte Aussteuerung“, verrat Stefanie Probstfeld, Prokuristin und Corporate Communication Manager. „Wir planen einen Werbeträger, der die positiven Attribute von digitalen Medien aufgreift und diese mit dem reichweitenstarken Klassiker Plakat verbindet.“

Anja von Fraunberg ► medien@wuv.de

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Der Handel 04|2011

DISPLAYS

3D ohne Brille

Das Kieler Start-up-Unternehmen Realeyes hat das erste dreidimensionale Anzeigenbild vorgestellt, das man ohne 3D-Brille und unabhängig von den Lichtverhältnissen der Umgebung erleben kann. Die dargestellten Objekte scheinen bis zu einem Meter aus der Bildfläche herauszuragen. “Dank eines Betrachtungswinkels von 40 Grad und 30.000 Bildansichten verändert sich die Perspektive, wenn sich der Betrachter einige Schritte hin und her bewegt oder in die Hocke geht”, erläutert Geschäftsführer Philipp von Trotha. Die Displays sind jeweils einen Quadratmeter groß und können für große Flächen entsprechend kombiniert werden.

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m+a report MarchlApril 2011

3D Display ohne Brille

3D Display without glasses

Sie strahlten nach ihrem Erfolg auf der Euroshop 2011 um die Wette: Philipp von Trotha und Felix von Laffert, die beiden Geschäftsführer von Realeyes. Denn die von Laffert entwickelte Technik ermöglicht das Betrachten von 3D Displays ohne technische Hilfsmittel und damit neue Formen der Kundenansprache. Die 3D Displays eignen sich ebenso für den Einsatz in der Werbung, im Messe- und Ladenbau, aber auch in der Architektur oder in Museen. Das Kieler Start-up-Unternehmen ist bisher das einzige Unternehmen, das dieses Produkt zur Marktreife entwickelt hat.

Die dargestellten Objekte ragen bis zu einem Meter aus der Bildfläche heraus. Der Betrachter hat das Gefühl, sie berühren zu können. Die 3D-Bilder ermöglichen realistische Perspektivwechsel. Dank eines Betrachtungswinkels von 40° und 30.000 Bildansichten verändert sich die Perspektive, wenn sich der Betrachter einige Schritte hin und her bewegt. Verborgene Details schieben sich ins Blickfeld – unabhängig von den Lichtverhältnissen der Umgebung.

Diesen verblüffenden Effekt verdanken die Displays einem patentierten Verfahren. Pro Display bilden 250.000 Mikroobjektive in der Größe eines Streichholzkopfes jeweils das vollständige Bild ab, aber aus einer minimal abweichenden Perspektive. Auf diese Weise entsteht aus einem zweidimensionalen Bild eine dreidimensionale Darstellung. ch

Following their success at Euroshop 2011, it was difficult to see which of the two managing directors of Realeyes, Philipp von Trotha or Felix von Laffert, was beaming most widely. The technology developed by von Laffert makes it possible to view 3D Displays without technical aids, creating new forms of customer pitches. The 3D Displays are equally suitable for use in advertising, exhibition construction and shopfitting, as well as in architecture or museums. The start-up from Kiel is the only company so far to have developed this product to market maturity.

The objects depicted extend by up to a metre from the screen, so that viewers feel they can touch them. Realistic changes of perspective are possible with the 3D images. With a 40° viewing angle and 30,000 calculated image views the perspective changes when the viewer takes a few steps in a different direction. Hidden details shift into sight – regardless of the ambient light conditions.

The displays owe this astounding effect to a patented process. For a display 250,000 micro lenses, each the size of a match head, create the complete image, but from a marginally different angle. This way a two-dimensional image is transformed into a three-dimensional presentation. ch

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Wirtschaftsland Schleswig-Holstein | 29.03.2011

Die perfekte Illusion

Bilder mit magischer Tiefenwirkung

Ein Schwarm bunter Fische, der durch den Raum auf den Betrachter zu schwimmt. Im Hintergrund ein Korallenriff von großer Farbintensität. Klares blaues Wasser. Wer noch einen Schritt näher tritt, möchte direkt hineinfassen in diese magische Unterwasserwelt. Doch wer die Hand nach einem Fisch ausstreckt, der greift ins Leere. Ein wundersamer Effekt, der den Betrachter zum Nachdenken anregt. Wie kann das sein?

Ganz einfach: Es ist Fotografie in der dritten Dimension, aber zum Greifen nahe. Eine innovative Entwicklung des Kieler Hightech-Start-up-Unternehmens REALEYES. Direkt am Nord-Ostsee-Kanal entwickeln, produzieren und vermarkten die beiden Geschäftsführer Felix von Laffert (38) und Philipp von Trotha (38) großformatige 3D-Displays. Das Neuartige daran: Sie haben das erste hochqualitative Display entwickelt und zur Marktreife gebracht, das man ohne eine Brille als Hilfsmittel erleben kann.

Der technische Geschäftsführer von Laffert erklärt, auf welche Weise sich diese dreidimensionalen Displays verwenden lassen: „Sie eignen sich besonders für den Einsatz in der Werbung, als Ersatz für das klassische zweidimensionale Plakat. Aber auch im Messe- und Ladenbau,  in der Architektur, in Museen oder auf großen Bahnhöfen und auf Flughäfen können diese großformatigen Displays für Furore sorgen.” Gerade waren von Laffert und von Trotha auf der Euroshop 2011 in Düsseldorf vertreten, der Leitmesse für Handelsinnovationen mit mehr als 1.000 Ausstellern aus 50 Ländern. Erste Interessenten haben sich gemeldet, konkrete Angebote sind erstellt. „Nun hoffen wir auf den Durchbruch, den ersten großen Auftrag. Denn mit unserer Produkten könnten wir in Serie gehen”, sagen die beiden hoffnungsvoll.

Realistische Perspektivwechsel

Die 3D-Tafeln, von denen ein Quadratmeter zwischen 10.000 und 15.000 Euro kostet,  bieten laut dem kaufmännischen Chef von Trotha eine „einzigartige Form der dreidimensionalen Darstellung“. Denn die dargestellten Objekte – ob nun Unterwasserwelt, dynamische Szenen mit teuren Autos oder Weltraum-Animation – ragen bis zu einen Meter aus der Bildfläche heraus und in den Raum hinein. Die Bilder, so von Trotha, „ermöglichen realistische Perspektivwechsel”. Dank eines Betrachtungswinkels von 40 Grad und 30.000 Bildansichten verändert sich die Perspektive, wenn sich der Betrachter einige Schritte hin und her bewegt. „Dadurch schieben sich verborgene Details ins Blickfeld – ganz ohne 3D-Brille und  unabhängig von den Lichtverhältnissen in der Umgebung”, sagt der Jurist von
Trotha stolz.

Patentiertes Verfahren

Hinter den großen Displays von REALEYES verbirgt sich Hochtechnologie, die vom Land mit 580.000 Euro gefördert wurde. Für die jungen Unternehmer war das der ausschlaggebende Grund, sich an der Förde niederzulassen. „Uns wurden hier 2006, als wir uns gründeten, alle Türen geöffnet”, sagt Philipp von Trotha  und ist noch heute begeistert von den guten Förderbedingungen im nördlichsten Bundesland. Auch die Unterstützung des Fraunhofer-Instituts für physikalische Messtechnik und des Instituts für Informatik der Universität in Kiel war für die beiden Firmengründer wichtig.

Zurück zur Technologie: Der verblüffende Effekt der Displays ist Ergebnis eines patentierten Verfahrens von höchster Präzision, das der Physiker Felix von Laffert entwickelt hat. Es geht um unzählige Mikrokameras, die auf eine Kunststoffplatte gebracht werden. Rückseitig werden sie auf einen hochauflösenden Spezialfilm geklebt, der das darzustellende Bild enthält. Von Laffert  erläutert das Prinzip so: „Pro Display bilden 250.000 Mikroobjektive pro Quadratmeter in der Größe eines Streichholzkopfs jeweils das ganze Bild ab, doch aus einer minimal abweichenden Perspektive. Auf diese Weise wird aus einem zweidimensionalen Bild eine Darstellung im dritten Raum.”

Multitalent für die Massenproduktion

Produktionszeit für ein Display: rund 14 Tage. „Wir können zurzeit 20 im Monat herstellen“, sagt von Laffert, „und wollen in die Massenproduktion. 500 bis 1.000 Quadratmeter im Jahr – dahin soll die Reise gehen.“ Im Prinzip seien die ein Quadratmeter großen Displays beliebig erweiterbar, betonen beide REALEYES-Chefs. Man kann sie aneinandersetzen, um raumgroße Flächen zu erreichen – somit eigneten sie sich auch für die Außenwerbung, für verschiedene Nutzungs-Szenarien und Branchen. Neben der Werbebranche etwa auch als Attraktion in Freizeitparks, im Musical auf der Bühne oder in Ausstellungen. Ein echtes
Multitalent eben.

Rieke Beckwermert

http://www.wirtschaftsland-sh.de/de/youngsters/

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Der Handel 03|2011

REALEYES – Werbung mit Tiefenwirkung

Werbeplakate und -displays mit 3D-Effekt bietet die Firma REALEYES (www.real-eyes.eu). Die bis zu fünf Meter großen Motive sind ohne spezielle Brille sichtbar und funktionieren ähnlich wie die Wackelbilder auf Postkarten. Allerdings ist die Qualität der 3D-Technologie, die zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Physikalische Messtechnik entwickelt wurde, deutlich höher. Statt einer Rillenfolie wird eine Anordnung von 250.000 Einzellinsen verwendet, sodass der 3D-Effekt auch auf größere Entfernungen und bei verschiedenen Blickwinkeln funktioniert.

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Januar 2011 | Wirtschaft zwischen Nord- und Ostsee | Ausgabe Kiel | 7370 | 01

Das Kieler Startup-Unternehmen REALEYES macht’s vor

Erfolgreich gründen aus der Wissenschaft heraus

Erfolgreich gründen aus der Wissenschaft heraus

Innovative Ideen sind insbesondere für rohstoffarme Länder wie Deutschland von existenzieller Bedeutung. Sie sind Bedingung für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze. Der Erfolg einer Innovation hängt allerdings nicht allein von einer guten Idee ab. Eine entsprechende finanzielle Basis ist für die Umsetzung einer Idee am Markt entscheidend.

Nach einer Holographie-Ausstellung in London war Felix von Laffert von der Idee inspiriert, 3D-Fotos, die man ohne eine 3D-Brille betrachten kann, zu erzeugen. Erste Forschungsversuche unternahm er bereits in der Schule. Gegen Ende der Studienzeit war die Idee ausgereift.

„Entscheidend“, erinnert sich der Physiker, der seine Diplomarbeit an der Ruhr-Universität Bochum geschrieben hatte, „war dabei der Businessplanwettbewerb der Stadt Dortmund Start2Grow.“ Er wurde Dritter und konnte dank des hoch dotierten Preises an der Technologie für hochwertige dreidimensionale Fotos mit räumlichen Tiefenwirkung weiterforschen.

REALEYES 3D Displays Firmengründer von Laffert und von Trotha

Zur Herstellung großformatiger 3D-Fotos, die ohne spezielle Hilfen wie 3D-Brillen wahrgenommen werden können, wird unter anderem eine Klebemaschine eingesetzt, die 30 filigrane Klebepunkte pro Sekunde schafft. Sie wurde von Felix von Laffert (li.) und Philipp von Trotha in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für physikalische Messtechnik entwickelt.

High-Tech made in Kiel

Zusammen mit seinem Studienkollegen Philipp von Trotha habe er sich verschiedene Förderkonzepte angeschaut und rasch für Schleswig-Holstein entschieden. „Hier waren die Türen für unsere Unternehmensgründung am offensten“, sagt von Trotha. „Hier arbeiten Institutionen zusammen“, fügt der Jurist hinzu.

Um die bahnbrechende Idee umzusetzen, haben die heutigen Geschäftsführer der REALEYES GmbH diverse Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene genutzt. Unter anderem sei die Unterstützung der WTSH Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH entscheidend gewesen. Auch die Familie von Laffert habe in das Unternehmen investiert. Im Forschungs- und Entwicklungsbereich habe man vor allem dank der Kooperation mit dem Freiburger Fraunhofer-Institut für physikalische Messtechnik IPM und der Zusammenarbeit mit der Kieler Christian-Albrechts-Universität „einen guten Start gehabt“.

Im Mai 2006 gründeten die Studienkollegen im KITZ – Kieler Innovations- und Technologiezentrum GmbH „ohne Kugelschreiber und Maschinen“ ihre eigene Firma. Nach einer vierjährigen Entwicklungsphase steht das weltweit einmalige Produkt jetzt kurz vor der Marktreife. Das inzwischen achtköpfige Unternehmen ist seit April 2010 auf dem Gelände der Kiwi, Kieler Wirtschaftsförderungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft mbH ansässig. Hier hat man eine geeignete luftgefilterte Produktionshalle gefunden, in der schon bald die High-Tech-Werbetechnik von morgen produziert werden soll.

3D-Brille ade

Wer mit eigenen Augen bunte Fische im Korallenriff sieht, die buchstäblich einen Meter vor der Bildfläche in der Luft schwimmen, dem wird das Potenzial der Erfindung bewusst. Die Anwendung der Technologie ist sowohl in der Werbung als auch in Architektur und Kunst denkbar. „Auch die hiesigen Förderinstitute haben das große Potenzial unserer Firma als künftiger Arbeitgeber und Wertschöpfer erkannt“, resümiert von Trotha.

Joanna Cornelsen

Foto: IHK/Joanna Cornelsen

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November 2010 | WirtschaftsWoche | Nr. 48 | Tipps

Länger als gedacht

Was die Finalisten der bisherigen Wettbewerbe Gründern raten.

Länger als gedacht

Was die Finalisten der bisherigen Wettbewerbe Gründern raten.

Geduld mitbringen

Revolutionen brauchen Zeit. So auch die Idee von Felix von Laffert und Philipp von Trotha, die im Jahr 2007 im Finale des Gründerwettbewerbs standen. Sie entwickeln 3D Displays, für die man keine Spezialbrille benötigt. „Die Technologie zu entwickeln dauerte viel länger, als wir dachten“, sagt Trotha. Aufgegeben haben die Gründer nicht. Im Gegenteil: Inzwischen beschäftigt das Startup acht Mitarbeiter, im kommenden Jahr sollen die Displays marktreif sein: „Wer Geduld hat und an seine Idee glaubt, wird am Ende Erfolg haben“, ist Trotha überzeugt.

jens.toennesmann(at)wiwo.de

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Oktober 2010 | Trend – Die Zeitschrift für Soziale Marktwirtschaft | Nr. 123

17. lnnovationstag Mittelstand


REALEYES 3D Gründer von Trotha und von Faffert mit Brüderle

Wolfgang J. Riedel, Wissenschaftlicher Berater REALEYES GmbH; Rainer Brüderle, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie; Prof. Dr. rer. nat. Stefanie Heiden, Hauptgeschäftsführerin AiF; Dr.-Ing. Thomas Gräbener, Präsident AiF; Felix von Laffert, Technischer Geschäftsführer REALEYES GmbH; Philipp von Trotha, Kaufmännischer Geschäftsführer REALEYES GmbH; (v.l.n.r.)

Das Kieler Startup Realeyes ließ den Besucher beim 17. Innovationstag Mittelstand mit einem Prototyp an seiner bahnbrechenden Entwicklung teilhaben. Munter schwimmen Fische im bunten Korallenriff, die bis zu einem Meter aus der Bildebene hervorkommen. Nun ist die perfekte Südseeimpression als 3D-Motive endlich ohne die lästige 3D-Brille erlebbar. Für Firmeninhaber Felix von Laffert und Philipp von Trotha ist die anwendungsorientierte Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft, deren Freiburger Institut für physikalische Messtechnik IPM und die professionelle Beratung durch die AiF unverzichtbar für ihre Unternehmung. Freilich gibt Mitgründer von Trotha zu bedenken, die grenzenlose 3D-Anwendung in Werbung und Entertainment bedürfe noch der Mühen der Prozessoptimierung. Die Herausforderung stecke wie immer im Detail. Erläuternd, dass vor dem Horizont der Marktreife dem Appell im Fast-Gleichklang von „REALEYES“ mit „realize“ eine nützliche Botschaft innewohne: Erwerbbar werde ein REALEYES-Qualitätsprodukt erst im nächsten Jahr sein, bis dahin bleibe die 3D-Brille noch eine Weile akut!

Ines Steding, Freie Journalistin, Berlin

Foto: Florian Sell

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